Trip to Australia – Adelaide to Sydney (Indian Pacific)

31.5.2016 – 1.6.2016
Pauline nimmt mich mit zum Bahnhof, sie hat bereits ihr Uniform an, in der sie später im Zug die Gäste zufriedenstellen muss. Ich frage mal wieder nach einem Upgrade in die Gold-Class und bin nicht bereit die 660AUD zu bezahlen, die der nette ältere Herr am Schalter dafür verlangt. Der Indian Pacific steht bereits im Bahnhof und hat schon zwei Tage Fahrzeit von Perth bis nach Adelaide hinter sich. Es sind die gleichen Wagons die auch beim Ghan zum Einsatz kommen. In Adelaide geht es nur etwas nobler zu als in Darwin. Es wird Champagner und Gebäck an die wartenden Gäste verteilt, egal in welcher Klasse sie reisen. Für die obligatorische Livemusik ist auch wieder gesorgt. Gegen 09:30 Uhr öffnen sich die Türen und ich steige ein.

Die Red Class füllt sich bis fast auf den letzten Platz und ich frage mich wo ich nun wieder hingeraten bin. Offensichtlich macht das Altenheim einen Ausflug mit der Bahn. Es kommt ja nun wirklich nicht mehr häufig vor, dass ich unter mehr als 50 Menschen mit Abstand der jüngste bin. Hier trennen mich bestimmt 20 Jahre zum nächst jüngsten Reisenden. Neben mir macht es sich eine Frau bequem die ich auf Mitte siebzig schätze. Das alleine wäre ja gar nicht schlimm, aber der olfaktorische Faktor macht es zu einem beängstigen Erlebnis. Ja verflucht, haben die hier auch 4711 Echt Kölnisch Wasser!!??


Während die Duftbombe neben mir ihr Strickzeug auspackt erklärt Bruce, unser Zugbegleiter, den Zug. Er ist 666 Meter lang, und 273 Passagiere sind an Board. Zum Duschen liegen Handtücher parat, die man bitte in den Eimer werfen soll an dem „Handtücher“ steht und bitte nicht in den Mülleimer und bitte auch nicht den Müll in den Handtucheimer werfen. Der Nothammer befindet sich neben dem Notausstiegsfenster, das die letzten 21 Jahre nie benötigt wurde, lediglich den Hammer hat ein Gast schonmal zerstört. Das Betreten der Goldklasse ist nicht erlaubt und für den ungewöhnlichen Fall eines plötzlichen Druckabfalls fallen Sauerstoffmasken aus den Gepäckablagen über uns – Scherzkeks! Und um 22:00 Uhr wird das Licht ausgehen – gute Nacht! Wer noch Fragen hat soll sich an ihn wenden, er wird aber keine Antwort haben, da er verheiratet ist.

Die Fahrt verläuft ereignislos, das Aufregendste ist da noch ein Känguru, das neben den Gleisen umherspringt. Unseren ersten Stop sollen wir um 17:25 Uhr erreichen (inkl. 30 Minuten Zeitverschiebung). Durch unerklärliche Umstände (schwarzes Loch oder so) sind wir gut eine halbe Stunde zu früh in Broken Hill, der alten Silberstadt.

Und es geschieht noch ein Wunder – das Altenheim geht geschlossen von Board! Kurz darauf habe ich eine Vermutung warum das so ist, Broken Hill ist zum Sterben langweilig! Hier gibt es nichts, abgesehen von drei Geschäften, einer Tankstelle, ein Museum, einer Kirche und einer Handvoll Bars. Menschen sind zu so einer vorgerückten Stunde (es ist ja schon fast 18:00 Uhr!!) nicht mehr auf den Straßen zu finden. Einzig die alten Leute aus meinem Abteil schlurfen über den Bürgersteig und verschwinden dann im Nichts. Nach 30 Minuten habe ich das Gefühl alles gesehen zu haben und stehe wieder vor dem Zug – der dummerweise verschlossen ist. Es dauert eine weitere halbe Stunde bis mich jemand hineinlässt. Die Weiterfahrt ist für 18:55 Uhr vorgesehen, warum man hier so lange halten muss wissen die Götter.


Endlich setzt sich der Zug wieder in Bewegung. Ich gönne mir ein Curry zum Abendessen das dank Pauline gratis ist. Neben mir sind noch vier weitere alte Damen an Board die mich auch gleich einladen ihnen Gesellschaft zu leisten. Ich tue ihnen den Gefallen für eine halbe Stunde und lasse mich brav ausfragen. Zu fünft teilen wir uns jetzt zwei Wagons. Dieser vordergründige Vorteil stellt sich bald als gravierender Nachteil heraus. Die Wagen holpern jetzt über die Gleise wie ein Pickup-Truck ohne Ladung, mit erhöhtem Reifendruck und ausgeleierten Blattfedern. Eine Seekrankheit ist nicht auszuschließen und der Geräuschpegel ist immens.


Es gelingt mir nur mit Kopfhörern in den Schlaf zu kommen und ich werde unzählige Male wach in der Nacht. Im wahrsten Sinne des Wortes bin ich am nächsten Morgen gerädert. Zudem ist mir kalt, da kann auch der Gratis-Kaffee nicht daran ändern. Der Zug windet sich durch die Blue Mountains. Die Wolken sind zum greifen nahe und aus den Feldern und Wäldern kriecht der Nebel in den Himmel. Eine Stimme aus dem Lautsprecher verkündet, dass der Zug mit gut 20 Minuten Verspätung unterwegs ist. Ich will einfach nur noch ankommen.

Das australische Wildlife zeigt sich kurz in Form einiger Kängurus die gleich darauf wieder im Busch verschwinden. Ich hatte weitaus mehr Tiere erwartet, aber wahrscheinlich sind die längst in wärmere Gefilde gesprungen. Kurz vor der Central Station in Sydney bleibt der Zug stehen. Die Stimme aus dem Off unterrichtet uns darüber, dass unser Bahnsteig noch von einer Bahn belegt ist die mit einem technischen Defekt kämpft. Ich texte Emily, die zur meiner Abholung bereit steht, dass es wohl mehr als eine halbe Stunde länger dauert bis wir eintreffen. Ihre Antwort steht für Australien – No Worries!!

Endlich sind wir da und Emily und ihr Vater bringen mich zu ihrem Haus in Kensington. Welcome Sydney!

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