Trip to Asia – Bali

22.4.2016 – 4.5.2016

Bali – die Insel der Götter! Oder – die Götter müssen verrückt geworden sein, aber dazu später mehr.

Was macht man auf Bali in einer traumhaft schönen Hotelanlage (Rumah Bali) im Villenstil mit einem einladenden Pool? Genau – nichts! Wir entwickeln neue, für den Menschen ja ach so wichtige Rituale. Es wird früh dunkel auf Bali, der Tag ist ein zwei gleichlange Hell- Dunkelabschnitte geteilt, auf zwölf Stunden Finsternis folgen zwölf Stunden Sonnenschein, begleitet von kurzen Dämmerungsphasen. Wir gehen früh zu Bett und stehen früh auf, so gegen 06:30 Uhr, wenn die Sonne gerade aufgegangen ist.

Es folgt ein ausgedehnter Spaziergang am Strand und Frühstück um 08:00 Uhr, serviert auf dem geräumigen Balkon unser Villa. Jeden Morgen kommt zuerst der Kaffee und der köstliche Mangosaft. Die zauberhaften, stets freundlichen Hausgeister servieren mit einem freundlichen Singsang („Goooooood morning!! How aaaaaare youuuu?“) unsere Tags zuvor bestellten Frühstückswünsche.

Gegen 09:00 Uhr plumpsen wir auf unsere Liegen oder direkt in den Pool, dem man getrost Badewannentemperatur  unterstellen darf. Die Zeit bis zum Nachmittag wird mit Baden, Lesen, Faulenzen und dem Beobachten meist asiatischer (Chinesen und Japaner) Gäste ausgefüllt. Diese tauchen hier genauso unvermutet auf wie sie Tags drauf auch wieder verschwunden sind.

Eine gelegentliche Massage rundet den Tag ab.
Abendessen gibt es nach ausgiebiger Körperpflege in einem der unzähligen umliegenden Restaurants. Selten teurer als 23 Euro für zwei Personen inkl. Getränke, die Qualität ist zufriedenstellend und in einem Fall sogar hervorragend.

Wir speisen nämlich im zum Hotel gehörenden Restaurant Bumbu Bali. Ein Schweizer Gildekoch ist dort der Maitre de Cuisine. Seine Rijstafel ist einfach traumhaft lecker. Nach einer köstlichen Hühnersuppe als Vorspeise (es hat die Angestellten da etwas verwirrt, das ich die Dekoration mitgegessen habe – zwei große rote Chillischoten) gibt es zum Hauptgang verschiedene Satespieße (auf einem kleinen Tischgrill serviert), verschiedene Fisch- und Fleischsorten, teils gegrillt, teils als Curry zubereitet, etliche Beilagen und als krönenden Abschluss eine Auswahl an Desserts. Soviel haben wir seit langer Zeit nicht mehr gegessen – so gut auch nicht!


Über das Hotel bestellen wir einen Privatfahrer der uns am Freitag etwas mehr von der Insel zeigen soll. Es ist Nebensaison, unser Hotel so gut wie leer, bis auf wenige, sporadisch auftretende Japaner und Chinesen (ok, zwei Australier habe ich vergessen). Der Preis für unsere Rundfahrt ist somit sehr günstig – 35€ für zwei Personen, Dauer des Ausflugs ca. acht bis neun Stunden.

Um 08:00 Uhr geht es los. Gibby stellt sich als unser Tourguide vor. Der junge Mann mit den aufgepumpten Oberarmen verfrachtet uns in seinen Toyota und nach einer kurzen Absprache, betreffend unser Besichtigungswünsche geht es im schwarzen Toyota auf die Piste. Das erste Ziel ist Ubud, ehemals Anlaufstelle für Rucksacktouristen, ist die Kleinstadt mit ca. 30.000 Einwohnern und als Zentrum der Kunst auf Bali bekannt, jetzt dem Pauschaltourismus anheim gefallen.

Auf dem Weg in die Stadt besichtigen wir eine typische Balinesische Unterkunft. Ein ummauertes Grundstück auf dem sich Hütten zu verschiedenen Wohnzwecken verteilen (Schlafhütte, Kochhütte, Kinderhütte, Klohütte, Sterbebetthütte), ergänzt durch den privaten hauseigenen Tempel. Ein Hausschwein fehlt ebensowenig wie ein paar Stachelschweine und die obligatorischen Hühner. Ein paar stolze Gockel (vermutlich für den Hahnenkamp trainiert) hocken mit geschwellter Brust in ihren Bambuskäfigen. Menschen – Fehlanzeige! Sind wohl alle arbeiten bis auf das alte Familienoberhaupt, der sitzt brav da um die Hand aufzuhalten, 10.000 IDR, also gut 80 Cent kostet die Besichtigung dieser sehr ursprünglichen Unterkunft. Der Baustil ist aber bis heute fortgeführt, die einzelnen Hütten jetzt aber aus Beton und je nach Einkommen auch klimatisiert.

Nein, Galerien, Schmuckwerkstätten und Holzschnitzer wollen wir nicht besuchen! Es genügt uns die unzähligen Läden mit ihren Angeboten durch die getönte Seitenscheibe im vorbeirauschen zu begutachten. Gibby lädt uns im Stadtzentrum von Ubud ab. Er will am Auto auf uns warten. Wir fragen uns ein wenig was wir hier sollen und machen uns auf durch lange Gassen zu ziehen in denen sich ein Touristenshop an den anderen reiht. Da unser Bedarf an T-Shirts, Holzgedönse, billigen Schmuckimitaten und sonstigem Nippes kleiner als Null ist, lassen wir uns lediglich mit der Menge (zum Glück eher noch eine Untermenge) treiben und stehen gut 30 Minuten später wieder vor Gibby und seinem schwarzen Toyota.

Wir fahren weiter zum Vulkan und zum Ulun Danu Batur Temple. Wir wollen ein wenig den Göttern Balis huldigen. Leider sind die Menschen, die sie zurückgelassen haben mittlerweile zu geldgierigen Hyänen geworden. Auf der Straße werden wir angehalten, ein Eintritt für den Blick auf den Vulkan wird fällig. Die Wegelagerer nehmen uns 65.000 IDR ab (ca. 6,00€). Ich freue mich schon auf ein Bad in der Lava und einen Blick ins Innere der Welt – oder so ähnlich, jedenfalls erwarte ich die verrücktesten Attraktionen die so einen „Eintritt“ würdigen.

Die Spannung steigt schon ins Unermessliche, aber der Ulun Danu Batur Temple erhält den Vorzug. Kaum das wir aus dem geparkten Toyota gestiegen sind stehen zwei niedliche Kinder neben uns und wollen mit ihrer kindlichen Unschuld dafür sorgen, dass wir ihnen ein paar Postkarten abkaufen – nur 1$ pro Stück. Wir lächeln zurück und lehnen ab. Nur 10 Meter weiter wird der nächste Eintritt fällig. Im Handumdrehen sind wir wieder 35.000 IDR ärmer. Nun aber nichts wie rein in die Götterstube – Pustekuchen! Wir werden in einer Halle aufgehalten in der Sarongs zum Verkauf stehen, der typische balinesische Wickelrock. Ein füllige Dame zeigt uns ihr Sortiment, unsere Kauflust hat ihren Tiefpunkt erreicht.

Dankend lehnen wir ihr Angebot ab, lächelnd und freundlich, wie es sich für Bali gehört. Wir bräuchten aber einen, sagt die Matrone zu meiner Rechten, ohne Sarong nix Tempel. Zum Glück hatte ich mich ein wenig belesen und halte ihr entgegen, dass man die hübschen Röckchen inklusive der tollen Schärpe doch auch leihen kann. Das Lächeln fällt schon schwerer – beiden. Im Handumdrehen sind wir neu eingekleidet. Nun fordert sie die Leihgebühr – 200.000 IDR. Mir entgleisen die Gesichtszüge und ich sage ihr sie könne den Fummel sofort zurück haben, mir wäre die Lust auf Tempel und Abzockerei endgültig vergangen.

Sie lächelt auch nicht mehr und fragt mich, was ich denn bereit wäre zu zahlen. Da ich das Theater leid bin sage ich ihr 100.000 IDR, was mir eigentlich noch viel zu hoch erscheint (dafür lassen wir uns sonst zu zweit eine Stunde massieren!!). Sie willigt unverzüglich ein und wir dürfen die Straße überqueren und endlich den Tempel besichtigen.

Schon sehr hübsch das alte Götterheim, nur fegen könnten sie mal wieder. Kleine Anekdote nebenbei, in der riesigen Anlage liegt ein einzelner Pflasterstein offen auf dem Verbund, und wer tritt dagegen? Nein, nicht ich, die beste Ehefrau der Welt – Autsch! Nach einer kurzen Zwiesprache mit den Göttern, hauptsächlich Beschwerden über das raffgierige Bodenpersonal, und einer ausgiebigen Besichtigung der magisch anmutenden Anlage, trinken wir noch unser, im Eintritte enthaltenes (kaum zu glauben, aber wahr), Wasser und schon geht es weiter zum Vulkan – oder auch nicht.

Wir fahren ein Stück die Straße entlang und halten dann an einer Verkaufsbude. Auf gut 2000 Metern Höhe ist das Klima angenehm und wir sind nicht böse, dem auf eisige Temperaturen herunter gekühlten Wagen zu entfliehen. Die Verkaufsbude hat einen netten Balkon von dem wir aus einen schönen Blick auf den Vulkan und seinen Kratersee haben. Während wir fotografieren versucht uns eine ältere Frau davon zu überzeugen doch ein paar Postkarten, etwas zu Essen oder zu Trinken oder doch vielleicht ein T-Shirt zu kaufen. Sie bleibt erfolglos.

Mir dämmert langsam, dass wir für unseren Wegezoll doch kein Bad in der Lava oder gar ein Dinner mit Luzifer persönlich bekommen. Nein, wir bekommen nur einen netten Ausblick auf den Vulkan und seinen See. Die Götter müssen verrückt geworden sein!

Das nächste Ziel wird angesteuert, hinunter aus den schwindligen Höhen führt uns der Weg (und Gibby) nach Pura Tanah Lot. Dem Wahrzeichen Balis, der Wassertempel. Kurz vor dem Ziel, und dem Einschlafen nahe, machen wir Rast an einer Kaffeerösterei. Hier gibt es den berühmten Kopi Luwak. Wer den Film, „Das beste kommt zum Schluß“, kennt weiß wovon die Rede ist. Wir werden durch den Vorgarten geführt, in der wir diese einzigartige Schleichkatze besichtigen können, die maßgeblich an der Herstellung des teuersten Kaffees der Welt beteiligt ist, indem sie die rohen Bohnen frisst und nach einer chemischen Behandlung durch Magensäfte und Verdauungsflüssigkeiten wieder ausscheidet. Prost!

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Wir bekommen eine Auswahl an verschiedenen Heißgetränken zur Gratisverkostung vorgesetzt. Kopi Luwak ist nicht dabei, den kann man extra ordern, für nur 50.000 IDR pro Tasse (ca. 3,50€). Ein Bedürfnis danach will sich nicht einstellen. Wir entscheiden uns für einen Bali Kaffee, ganz konservativ geröstet und gemahlen.

Am Meerestempel Pura Tanah Lot angekommen wird man nach einem kleinen Eintritt von 45.000 IDR (ob die Götter das wissen?) inklusive PKW durch zwei Gassen mit unzähligen von Touristenshops bis ans Wasser gelotst. Es ist früher Nachmittag und die Touristenströme halten sich noch sehr in Grenzen. Zum Abend, wenn die Sonne spektakulär im Meer versinkt sollen es tausende sein.

Die im Wasser stehenden Bauwerke sind wirklich eine beeindruckende Augenweide und der Besuch lohnt sich.

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Müde und erschöpft geht es über Kuta und Semiyak wieder zurück zum Hotel. Wir verabschieden Gibby und geben uns ausgehungert dem Abendessen hin.

Lange Tage und angenehme Nächte!

P.S.

Der Zweiradverkehr (meist Roller, da einfach zu finanzieren) ist erdrückend. Halb Bali düst mit den stinkenden Zweirädern auf den Straßen rum, Verkehrsregeln lassen sich auch bei längerer Betrachtung nicht erkennen! Erstaunlich auch, was alles auf einen Roller passt.

P.P.S.
Notebook am Pool – dumme Idee! Die Ameisen sind eingezogen 🙁

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